Infobrief von Gudrun und Josef April 2006

Der Aprilbrief im Mai. Auch hier ist der 1. Mai ein Feiertag und gibt uns Zeit für einen kurzen Rückblick auf den April. Hier ist es Herbst und die Nächte werden schon recht kühl mit Temperaturen um die +8 Grad Celsius. Wenn die Sonne scheint haben wir allerdings am Tag noch um die 20 Grad, das ist sehr angenehm.

Die Projekte laufen, je nach Wetterlage gut oder schleppend. Das bedeutet zum Beispiel, dass bei Regen keiner aus dem Haus kommt. La lluvia (la schuwia), also: der Regen, ist hier immer ein Hinderungsgrund für alles Mögliche. Schule fällt aus, Arbeit geht nicht, Baustellen liegen still, Kinder kommen nicht vor die Tür. Das ist durchaus begründet, da die Regenfälle sehr, sehr heftig sein können mit Überschwemmungen der Straßen und Grundstücke. Dadurch sind die Projekte teilweise weniger besucht als im Sommer. Die Schulaufgabengruppe ist meistens sehr gut besucht. Allerdings bleiben Querelen nicht aus, denn 6 - 10 Kinder in einem Raum bei den Hausaufgaben ist nicht einfach. Die Arbeit mit unseren Klangschalen wird weiterhin sehr gut angenommen. Mit der Verbesserung des Sprachverständnisses wächst auch das Verstehen der Probleme in den Familien.

Das Gartenprojekt läuft jetzt in die Herbstphase. Mit den kleineren Kindern wurden Möhren, Zwiebeln und Knoblauch gepflanzt und die Wintervorbereitung erledigt. Die Vogelscheuche ist übrigens gegen Papageienübergriffe, da diese Vögel hier in Schwärmen auftreten und ganze Gärten innerhalb weniger Minuten vollständig plündern.

Der Nähkurs läuft mit der Nähmaschine super und wird auch gut frequentiert. Die Anschaffung einer neuen, besseren Nähmaschine wird überlegt. Damit könnte die Näherin, die die Kurse z. Zt. noch kostenlos gibt, auch die Arbeiten zu Hause vervollständigen. Die Idee, damit evtl. auch einen Arbeitsplatz zu schaffen ist noch vorhanden und ... vamos a ver?!

Kochen am Samstag ist wetterabhängig, da bei la lluvia nur wenige Kinder kommen.

Das Kinderheim in Capilla (Kapiescha gesprochen) hat eine neue Heimleitung bekommen, und wir kommen nun an offene Türen und Ohren. Heute war eine Kochgruppe angesagt, und wir konnten viel Kinderspielzeug, Kopfkissen (waren in den Betten gar nicht vorhanden!) und Lebensmittel nach Capilla bringen. Die Spielsachen (Dank an eine Freundin, die zur Zeit hier Urlaub macht) sind ein Versuch, da die Kinder aus einem sozialen Umfeld mit hoher Zerstörungsmentalität kommen. Vamos a ver. Mit der Unterstützung und persönlichem Einsatz ist Nelli einfach großartig dabei. Danke an dieser Stelle. Sie wird einen Kochkurs für die Angestellten des Kinderheimes anbieten. Eine super Idee und sehr sinnvoll.

Wir haben zur Zeit eine Praktikantin für 2 Wochen bei uns, die ihren Urlaub in Argentinien nutzt um ein Orientierungspraktikum für ihre Schule in Deutschland zu absolvieren. Es ist schön zu sehen, wie sie von den Kindern bei Maria Marta hier in Benavidez angenommen wird.

Andres, der behinderte Junge aus Garin (Nachbarort), geht seit 2 Wochen regelmäßig am Nachmittag zur Schule nach Vito, einem kleinen Ort ca. 15 km südlich von Benavidez. Er bekommt dort täglich eine volle Mahlzeit!! Ein sehr wichtiger Punkt, neben dem Unterricht. Die täglichen Fahrten sind noch problembeladen, da eine abschließende Finanzierung noch unsicher ist. Wir haben den Anstoß gegeben und auch finanzielle Hilfen, aber die regelmäßige Finanzierung steht noch aus. Eine nachbarschaftliche Fahrgemeinschaft haben wir ebenfalls angeregt und z.Zt. dafür einen Zuschuß von 100 Pesos im Monat zugesagt.

Einen schönen Frühling in Deutschland und einen bunten Herbst auf dieser Seite der Erde
wünschen ...

Gudrun y Josef