Aktuelles
19.03.2009
La mascota ist ein viertel in den aussenbezirken von buenos aires, im bezirk von benavidez. Lamascota ist ein sogenanntes armenviertel, die strassen aus staub und erde, die haeuser, sofern sie existieren und so genannt werden koennen, aus alten paletten, wellblech und resten jeglicher art. Vor zwei jahren hat dort mit hilfe von gudrun und joseph zei deutschen der organisation „paulchen esperanza“ einen „comedor“ (essenausgabe/verteilung) begonnen.Gudrun und joseph leben in benavidez, in der naehe von lamascota. Immer wieder kam eine frau, carmen, mit ihren kindern zu dem haus zum betteln, bis eines tages die idee entstand, mit hilfe dieser frau einen comedor zu gruenden. So wurde ein grundstueck gesucht, bis schliesslich lukas, ein bewohner von lamascota einen teil seines grundstueckes zu verfuegung stellte. Mit der finanziellen unterstuetzung aus deutschland und weiteren materialspenden aus argentinien und dem einsatz von joseph und gudrun wurde auf dem grundstueck ein haus gebaut. Ja ein wirkliches haus, mit zementboden, tueren und waenden aus alten holzpaletten. In dem haus wohnt jetzt carmen mit ihren kindern und schwiegertochter und deren kindern. Es gibt inzwischen auf grund verschiedenster spenden einen kuehlschrank und einen herd. Die zwei frauen, carmen und ihre schwiegertochter sintia machen den comedor, d.h. sie erhalten von der organisation „paulchen esperanza“ die lebensmittel und kochen dann fuer die familien des viertels, die teilweise sonst nichts zu essen haben. Nicht taeglich wird essen verteilt, aber einmal die woche warmes essen und dreimal die woche „merienda“, d.h. milch und eine kleine mahlzeit. Es ist ein staendiger kampf, da natuerlich immer die frage ist, was ist noetig und wer bekommt was. Die steigenden preise hier in argentinien erschweren die situation natuerlich noch zusaetzlich. Aber bis jetzt haelt sich der comedor und waechst. Im moment wird ein weiteres haus auf dem kleinen grundstueck gebaut, auch aus materialspenden. In diesem haus soll spaeter eine kueche, ein essensraum, toiletten und zwei schul - und ausbildungsraeume, bzw. Arbeitsraeume platz finden.
Der comedor ist das einzige projekt, das in diesem viertel existiert. Gudrun hatte schon seit einiger zeit die idee, dass dort auch eines tages aktivitaetetn fuer kinder angeboten werden sollten, ein sogenannter „taller“ entstehen koennte.
Als sie katharina kraul kennenlernte, die zu dieser zeit, ende letzten jahres, in einem anderen projekt, in einem anderen viertel von buenos aires, mit kindern jongglierte, entstand die idee, dass katharina doch eine art sommerprojekt in la mascota machen koennte. Katharina fragte mich, ob ich mir nicht vorstellen koennte mit ihr zusammen ein solches projekt zu machen und ich sagte zu!
Ja das war ende letzten jahres, im november ungefaehr. Wir wollten mit dem projekt so im januar anfangen, hatten aber noch nicht wirklich konkrete vorstellungen. Ausserdem waren wir beide noch in andere projekte eingebunden und dann waren wir auch beide erst einmal auf reisen. Die ersten zweifel kamen auf, fragen, macht es ueberhaupt sinn, wenn zwei maedchen aus deutschland ein projekt anfangen, wo es doch schon so viele projekt gibt, die zum einen alle hilfe brauchen, zum anderen leute haben, die schon auf einige jahre erfahrung zurueck greifen koennen, menschen von hier, die sowohl die mentalitaet und kultur kennen und zum anderen die sprache beherrschen.
Beide kamen wir an den punkt, wo wir gesagt haben, nein es hat keinen sinn, es ist zu unvorbereitet, zu naiv! Gluecklicher weise hatten wir diesen tiefpunkt zu verschiedenen zeitpunkten, so dass wir uns dann gegenseitig wieder motivieren konnten.
Ja schliesslich wurde es immer konkreter. Immer wieder hatten wir ideen, haben getraeumt, ueberlegt, dann verging wieder zeit in der wir diese gedanken ruhen gelassen haben. Dann gab es ein datum, am 9. februar solltes es losgehen!
Eine idee, die aber noch eher wie ein traum war, in weiter ferne. Aber am sonntag, den 8. februar wurde uns ploetzlich klar was wir uns da eigentlich vorgenommen hatten. Und einen ganzen tag rauchten unsere koepfe, erfahrungen wurden ausgetauscht, plaene, strukturen wurden ueberlegt und aufgeschrieben, sprueche geschrieben, materialen vorbereitet.
1. woche
Am montag ging es dann, zusammen mit gudrun, in das projekt, fuer mich war es der erste besuch in dem projekt, katharina war zuvor schon einige male dort gewesen.
Auch wenn ich schon in solchen vierteln gewesen bin und die situation durchaus nicht neu fuer mich war, traf mich die realitaet aufs neue.
Zuerst geht es ca. einen kilometer auf der staubstrasse entlang, die zwischen eisenbahnschienen und einer mauer eines countries (abgeschlossene viertel der oberschicht) liegt, dann biegt man, immer noch der mauer folgend, in die strasse, wo carmen wohnt ein und schliesslich muss man noch ein paar schritte zu fuss gehen, da die strasse unbefahrbar ist seit dem letzten regenguss, und dann steht man vor dem grundstueck. Das haus von carmen, davor ein kleiner erdiger platz auf dem schon das geruest fuer ein zweite haus steht und wo sich die baumaterialien stapeln.
Vor dem haus sitzt die familie und trink mate (ein fuer argentinien typisches, tee aehnliches getraenk), die kinder spielen zur lauten musik, sogenannte popp musik, cumbia und reageton, die man hier in argentinien die ganze zeit und ueberall hoert, speziell in diesen vierteln.
Wir setzten uns also zusammen mit carmen an den tisch, um unsere ideen zu besprechen:
Der plan war, an vier tagen der woche, vier verschiedene gruppen zu haben, mit je acht kindern, ueber einen zeitraum von drei wochen, da dann die schule wieder beginnt und man sehen muss, wie das projekt weiter geht.
Carmen sagte nochmal, dass ja in dem viertel mehr als 200 kinder leben wuerden, worauf wir nur noch einmal betonten, dass es ja alles nur ein anfang ist und wir einfach langsam und unseren kapazitaeten entsprechend beginnen wollen. So wird vereinbart, dass carmen bis zum nachmittag die kinder zusammen rufen laesst und wir mit hilfe eines losverfahrens die kinder auswaehlen, mit denen wir in den ersten drei wochen beginnen. Wir hatten auch an eine alters begrenzung zwischen 7 und 12 jahren gedacht. Als wir nun am nachmittag wieder kamen, sassen da auf den baenken 51 kinder zwischen 1 und 14 jahren, wartend und still. Das war durchaus ueberraschend fuer uns, da wir uns das ganze viel chaotischer ausgemalt hatten. Als wir feststellten, dass wir 19 kinder ausschliessen muessten, wegen unserer plaene, wurde uns klar, dass wir das nicht machen koennen und wir lieber die gruppen doch ein wenig vergroessern. Also fingen wir an die kinder, mit namen und alter aufzuschreiben und auf die vier tage zu verteilen. Der schock kam am abend, als wir feststellten, dass wir ca. 80 kinder hatten, also ca. 20 kinder pro tag! Waehrend wir die kinder aufgeschrieben haben kamen, ohne das wir es wirklich bewusst wahrgenommen haben, immer mehr kinder hinzu!
Uns wurde klar, dass es nun einmal so war und das wir das richtige getan hatten, da wir kein kind haetten ausschliessen koennen.
Die gruppen sind auf montag nachmittag, dienstag vormittag, donnerstag nachmittag und freitag vormittag aufgeteilt. So ging es direkt am dienstag mit der ersten gruppe los:
Um 09 uhr trafen katharina und ich im projekt ein und bereiteten zusammen mit der familie das fruehstueck fuer die kinder vor: weissbrot mit marmelade, bzw. dulce de leche und milch mit kakao, das heisst milchpulver, mit kakao und zucker und wasser! In zukunft denken wir an ein gesuenderes essen. Aber wir muessen auch bedenken, was die kinder gewohnt sind zu essen bzw trinken. Zum anderen traegt sich unser projekt im moment ausschliesslich aus spenden, die natuerlich begrenzt sind.
Um 10 uhr sollten die kinder kommen, bis schliesslich alle da waren, war es ca. 10:30 uhr. Wir haben uns aber alle zeit genommen und die kinder die schon frueh kamen haben auch ruhig am tisch gewartet. Jedes kind wurde von uns einzeln am tor zum grundstueck begruesst und bekam eine pappblume mit namen angesteckt. Als schliesslich noch die letzten kinder von einem der soehne von carmen, mario, geholt wurden, schlossen wir das tor und begannen mit einer anfangsrunde, in der wir die kinder noch einmal begruessten und ein wenig erzaehlten, was wir in den drei stunden, also bis um 13.00 uhr, zusammen machen wuerden. Auch wurden natuerlich die regeln die waehrend dieser zeit gelten dargestellt: es gibt fuer uns ueberhaupt nur eine regeln, die da heisst: dass wenn ein kind etwas machen moechten, was nicht der gemeinsamen aktivitaet entspricht, z.b. das grundstueck verlassen will, es immer einen von uns fragen muss, allgemein gilt, wer kommt, bleibt bis zum schluss und nimmt an allem teil.
Dann gab es erstmal allgemeines haendewaschen, die schuessel mit wasser, seife und handtuch waren schon gerichtet (es gibt kein fliessend wasser). Als dann alle kinder am tisch sassen, haben wir ihnen erklaert, dass wir immer einen spruch zum anfang sagen, den einer von uns vorspricht und den wir alle zusammen wiederholen. Den spruch haben katharina und ich uns zuvor ueberlegt, er sollte kurz und einfach sein, es geht nur um die gestig, ein kurzes inne halten. Auf deutsch lautet der spruch in etwa so: „danke fuer speiss und trank und ich wuensche allen meinen freunden einen sehr guten tag“, auf spanisch klingt das natuerlich wesentlich schoener!
Dann gab es freuhstueck! Da wurde gequatscht und gelacht und vorallem gegessen!
Als dan alle kinder mehr oder weniger satt waren, gab es nocheinmal eine haendewaschaktion und anschliessend wieder eine runde. In dieser runde haben wir mit den kindern einige rhytmusuebungen und spielchen gemacht.
Dann kam die sogenannte arbeitszeit und schon ganz gespannt und lernhungrig rannten alle kinder zum tisch.
Fuer die erste woche hatten wir uns ueberlegt, mit den kindern finger zu haeckeln, da es zum einen einfach ist, aber gut fuer die feinmotorik, zum anderen erzielen die kinder gleich ein resultat, das sie sehen koennen und auch mitnehmen koennen. So waren wir schliesslcih alle mit armbaendern, ketten, ringen, fussketten und haarbaendern beschmueckt, alles aus baumwollfaeden.
Katharina erklaerte zuerst einmal fuer alle, dann mussten wir natuerlich rumgehen und vielen kindern einzeln noch einmal erklaeren und mit viel geduld helfen und zusammen ueben. Es war fuer uns erstaunlich wie still und konzentriert die kinder zuhoeren. Auch war es schoen zu sehen, wie sich die kinder gegenseitig helfen und sich die groesseren um die kleineren kuemmern.
Eine erste schwierigkeit war, dass wir einfach nicht allen kindern gerecht werden konnten so immer einige untaetig waren und nicht wirklich wussten wohin mit ihrer energie. Auch hatten wir nicht wirklich bedacht, dass fuer die kleinen kinder das finger haeckeln noch viel zu schwer ist. Schliesslich kam uns carmen zu hilfe und brachte papier und stifte fuer die kleinen.
Die kinder haben einen wirklich grossen lernhunger und lernen wahnsinnig schnell. Es ist einfach schoen, das leuchten in den augen zu sehen, wenn sie dir stolz den ersten erfolg demonstrieren und viele auch offenen herzens ihre ersten baendchen verschenken.
Fuer die kinder ist das nicht normal papier und stifte zu haben, oder faden zum haeckelnzu haben, zumindest einige von ihnen nicht. So war ich sehr ueberrascht, als mich einige kinder fragten, wie man denn malt! Fuer uns ist das so selbstverstaendlich, dass kinder malen.
Nach ca. 1 ½ stunden haben wir aufgeraeumt und uns fuer ein abschlussspiel zusammen gefunden. Das spiel ist so aehnlich wie „der fuchs geht um“, alle sitzen im kreis auf dem boden und ein kind geht herrum, stupst auf jeden kopf und sagt pato (ente), bis es zu einem kind ñato( ) sagt, dieses kind muss aufstehen und das andere kind fangen, bevor es einmal im kreis gerannt ist und den platz des jagenden kindes eingenommen hat. Dieses spiel haben die kinder uns vorgeschlagen und wir hatten sehr viel spass. Auch hier war wieder eine grosse ruecksicht der grossen kinder gegenueber den kleinen kindern zu sehen und das ohne ein wort von uns, das hat mich sehr gefreut! Als schliesslich alle kinder dran gekommen waren, haben wir noch eine abschlussrunde gemacht und anschliessend wurde jedes kind am tor verabschiedet und die blumen wieder eingesammelt.
Ja, der erste tag war geschafft!
Rueckblickend war es fuer uns sehr erstaunlich, wie gut alles funktionierte, wie gut die kinder mitgemacht haben, wie nie unsere autoritaet in frage gestellt wurde und wie gluecklich die kinder schliesslich heim gegangen sind.
Ja uns ist eigentlich erst im nachhinein klar geworden, dass die kinder sonst nichts haben, einfach nichts zu tun haben. Ausserdem auch oft nichts zu essen haben und aus furchtbaren verhaeltnissen kommen. Wir koenen uns glaube ich gar nicht wirklich vorstellen was manche von den kindern schon durchgemacht haben und durchmachen. Aber man sieht es ihnen an, kleine maedchen, die mit 11 jahren wie muetter sind, die ganze zeit ein kleines geschwister kind auf dem arm, drumm herrum die anderen geschwister die etwas wollen, so dass die eigenen bedurfnisse total zurueck gestellt werden muessen! Oder ein kleiner jungen mit einem gesichtsausdruck eines alten mannes, der ein langes schweres leben hinter sich hat, augen voller trauer und leid!
Schon nach dem ersten tag war uns beiden klar, das es richtig ist was wir machen! Aber wir wissen auch, dass noch viel arbeit und einsatz auf uns zukommt, es gibt viel zu lernen fuer uns und zu verbessern.
Z.b. muessen wir sehen wie wir es eines tages schaffen koennen, keine kinder mehr ausschliessen zu muessen, denn am donnerstag z.b. waren es ploetzlich 36 kinder und das ist natuerlich zu viel fuer uns zwei!
Auch muessen wir sehen, wie wir es besser schaffen, bei einer so grossen altersspanne von einem 1 bis 14 jahren, wirklich allen kindern gerecht werden zu koennen.
Eine grosse hilfe ist auf jeden fall, dass die kleinen immer mit ihren aelteren geschwistern kommen und diese uns viel arbeit abnehmen, aber auch hier ist natuerlich das problem, dass die aelteren dann oft zurueck stehen.
Wir werden hilfe brauchen und haben auch schon einige anfragen von anderen jugendlichen, hier von argentinien, die mit einsteigen moechten.
Schritt fuer schritt geht es weiter!
Ja das war die erste woche, drei gruppen kennen wir jetzt schon!
2. woche
in der zweiten woche haben wir deutlich gemerkt, dass wir nicht in deutschland sind!
Zunaechst haben wir uns am morgen bei uns zu hause mit tobias und felipe getroffen um den tag vorzubereiten. Tobias ist schueler der 12. klassen an der waldorfschule hier in buenos aires, wo ich im kindergarten arbeite, und macht gerade eine projektarbeit ueber „das leiden des kindes“. Er hat schon in anderen projekten hier in buenos aires gearbeitet und wollte nun mal sehen, ob er bei uns miteinsteigen will. Felipe ist ein freund aus meiner alten austauschklasse. Er will dieses jahr mit dem lehrerstudium beginnen und war ebenfalls auf der suche nach einem sozialen projekt.
Katharina und mir ist es wichtig, dass die leute, die nun mit einsteigen moechten und die wir ja auch brauchen, wirklich vollen einsatz bringen wollen und das wir als ein team arbeiten, wir sehen uns nicht als chefs oder leiter des projektes und sind ja auch auf der suche nach neuen ideen und verbesserungen. Aber das wichtigste fuer uns, ist, dass wir wirklich an einem strang ziehen und eine gleiche idee verfolgen, wie wir mit den kindern arbeiten moechten. Die kinder sollen eine einheitliche idee vermittelt bekommen und wenige regeln, aber die sollen von allen gleich verfolgt und durchgefuehrt werden. Vorallem aber, versuchen wir die typischen situationen zu vermeiden, wo der eine ja zum kind und der andere nein zum kind sagt. Die idee ist, dass sobald eine unklare situation entsteht, wir nicht einfach entscheiden, sondern dem kind klar machen, dass wir das erst mit den anderen besprechen muessen und dann vor den kindern kurz besprechen, was dagegen und dafuer spricht um dann zu einer gemeinsamen entscheidung zu kommen. So sehen und lernen die kinder auch, dass wir nicht alles schon klar haben, aber das wir zusammen arbeiten und uns absprechen.
Das mit der absprache ist natuerlich zu zweit durchaus moeglich, aber zu mehreren wird das schwieriger und es ist auch die frage, ob es sinn macht, bei jeder frage alle zusammen zu rufen. So haben wir ueberlegt, dass die anderen, die kinder bei unklaren fragen und wuenschen einfach zu einem von uns beiden schicken, was natuerlich dann wieder eine gewissen ungleichheit in der gruppe schafft...ja das sind fragen an denen wir arbeiten.
Ach ja, vielleicht kommt jetzt die frage nach der sprache auf?! Katherina und ich sprechen in dem projekt ausschliesslich spanisch, auch untereinander und die anderen sowieso, da sie argentinier sind.
Ein weiterer punkt ist noch, dass wir langsam neue leute mit in das projekt einfuehren moechten, wegen der frage des vertrauens fuer die kinder, nicht zu viele neue gesichter auf einmal, wir sind ja selbst noch ganz neu da! So sollte zunaechst einmal nur todias mitkommen und felipe erst ab der dritten woche.
Nun haben wir uns also zum vorbereiten getroffen, da es uns auch wichtig ist, dass daran alle teilnehmen. Vorbereiten heisst: faeden zuschneiden und pappblumen ausschneiden und beschriftet. Ausserdem haben wir natuerlich ersteinmal den tagesablauf besprochen und was uns wichtig dabei ist. Und wir haben zusammen bilder der kinder angeschaut, die diese in der ersten wochen gemalt haben, um uns so ein wenig auf sie vorzubereiten.
Als dann schliessich alles soweit vorbereitet war ging es los. Doch schon auf der haelfte des weges wurde deutlich, dass das wetter an diesem tag nicht auf unserer seite war. Eine schwarze wand kam auf uns zu, direkt von benavidez und dann ging es los, regen in buenos aires, nach wenigen secunden war alles klitsch nass und nach einigen minutan alles ueberschwemmt, aber wirklich! So mussten wir nach einigen telefonaten mit carmen umkehren, denn in „la mascota“ war das grundstueck nach kurzer zeit in ein schlammloch verwandelt, ganz zu schweigen von dem weg dort hin, der an solchen tagen unbefahrbar ist. Es fiel uns ehrlich nicht ganz leicht, einfach wieder nach hause zu gehen, ich mein klar, ich hab mich auf eine warme dusche und trockene sachen gefreut und hatte wenig lust noch laenger in diesem wetter aushalten zu muessen, aber da waren auf der anderen seite noch die kinder, die auf uns warteten und die zwei kilo brot in unserer hand. Aber schliesslich mussten wir einsehen, dass uns das schlechte gewissen auch nichts bringt, das es einfach keinen sinn macht, da wir in la mascota ja auch kein dach haben, sondern noch unter freiem himmel arbeiten. (hoffentlich nicht mehr lange!)
So ging es zurueck nach hause, das war durchaus lustig, da wir einfach teilweise im knie hohen wasser die strasse ueberqueren mussten und alle leute klitsch nass sind und das so ohne weiteres hinnehmen...ja das ist argentinien!
Das unwetter war so stark, dass wir am naechsten tag, am dienstag auch noch nicht nach „la mascota“ gehen konnten.
Am donnerstag bekamen wir dann das andere extrem zu spuehren: es soll anscheinend 40 grad gehabt haben, was ja noch ertraeglich gewesen waere, aber auf grund der hohen luftfeuchtigkeit gibt es hier immer noch die angabe der gefuehlten temperatur und die war anscheinend bei 62 grad! Es war auf jeden fall viel zu heiss! Aber diesmal konnte uns nichts daran hindern in das projekt zu fahren.
Es war ein sehr anstrengender tag, zum einen die hitze, zum anderen eine neue person im team und einige neuheiten, wie z.b. eine geschichte fuer die kleinen, waehrend die grossen basteln. Zudem waren es 40 kinder, da natuerlich einige von montag und dienstag noch dazu kamen. Ja das war ein tag voller improvisation!
Dieses projekt ist wirklich eine grosse herrausfoderung fuer uns beide und wir stossen natuerlich auch immer wieder an unsere grenzen und dann kommt die frage auf, ob es wirklich richtig ist was wir da machen, ob wir geeignet dafuer sind?
Aber dann machen wir uns gegenseitig wieder mut!
Ja, es stimmt, wir haben beide noch wenig erfahrung und keine ausbildung, aber wir machen ja nur einen anfang, so weit unsere kraefte und moeglichkeiten reichen. Das projekt soll weiter gehen und sich entwickeln und wachsen!
Und so aehnlich wie joseph sagte, wir koennen natuerlich nicht alles veraendern und allen gerecht werden und helfen, bei vielen kindern wissen wir noch gar nicht was sie brauchen, wie wir am besten mit ihnen umgehen sollen, aber einigen kindern koennen wir geben was sie brauchen, zumindest etwas davon, und wenn es nur ein kind ist, das wir am tag gluecklich machen koennen, dann lohnt sich das projekt schon!
Zu den spenden moechte ich noch kurz sagen, dass sie bis jetzt von zwei privat personen aus deutschland stammen, das eine ist ein 7 jaehriger junge, der 70 euro gespendet hat, die er fuer einen cityroller gespahrt hatte und als er diesen dann zu weihnachten bekam hat er sich entschlossen das geld zu spenden! 70 euro ist viel fuer uns hier, wegen dem wechselkurs und da wir nicht sehr viele ausgaben haben.
Auch haben wir schon einige materialspenden bekommen, z. b. von einem schreibwarenladen aus unserem viertel.
Also im moment sind wir sehr zuversichtlich, aber natuerlich sind wir auf der suche nach unterstuetzung!
Soweit bis jetzt, ich werde den bericht immer wieder weiter fuehren und dann koennt ihr auf www.vschu.blogspot.com weiter lesen!
Viel spass!
Ferienprojekt in La Mascota
Ein Bericht von Viola Schubert, die als "Freiwillige" zur Zeit in Argentinien ist
La mascota ist ein viertel in den aussenbezirken von buenos aires, im bezirk von benavidez. Lamascota ist ein sogenanntes armenviertel, die strassen aus staub und erde, die haeuser, sofern sie existieren und so genannt werden koennen, aus alten paletten, wellblech und resten jeglicher art. Vor zwei jahren hat dort mit hilfe von gudrun und joseph zei deutschen der organisation „paulchen esperanza“ einen „comedor“ (essenausgabe/verteilung) begonnen.Gudrun und joseph leben in benavidez, in der naehe von lamascota. Immer wieder kam eine frau, carmen, mit ihren kindern zu dem haus zum betteln, bis eines tages die idee entstand, mit hilfe dieser frau einen comedor zu gruenden. So wurde ein grundstueck gesucht, bis schliesslich lukas, ein bewohner von lamascota einen teil seines grundstueckes zu verfuegung stellte. Mit der finanziellen unterstuetzung aus deutschland und weiteren materialspenden aus argentinien und dem einsatz von joseph und gudrun wurde auf dem grundstueck ein haus gebaut. Ja ein wirkliches haus, mit zementboden, tueren und waenden aus alten holzpaletten. In dem haus wohnt jetzt carmen mit ihren kindern und schwiegertochter und deren kindern. Es gibt inzwischen auf grund verschiedenster spenden einen kuehlschrank und einen herd. Die zwei frauen, carmen und ihre schwiegertochter sintia machen den comedor, d.h. sie erhalten von der organisation „paulchen esperanza“ die lebensmittel und kochen dann fuer die familien des viertels, die teilweise sonst nichts zu essen haben. Nicht taeglich wird essen verteilt, aber einmal die woche warmes essen und dreimal die woche „merienda“, d.h. milch und eine kleine mahlzeit. Es ist ein staendiger kampf, da natuerlich immer die frage ist, was ist noetig und wer bekommt was. Die steigenden preise hier in argentinien erschweren die situation natuerlich noch zusaetzlich. Aber bis jetzt haelt sich der comedor und waechst. Im moment wird ein weiteres haus auf dem kleinen grundstueck gebaut, auch aus materialspenden. In diesem haus soll spaeter eine kueche, ein essensraum, toiletten und zwei schul - und ausbildungsraeume, bzw. Arbeitsraeume platz finden. Der comedor ist das einzige projekt, das in diesem viertel existiert. Gudrun hatte schon seit einiger zeit die idee, dass dort auch eines tages aktivitaetetn fuer kinder angeboten werden sollten, ein sogenannter „taller“ entstehen koennte.
Als sie katharina kraul kennenlernte, die zu dieser zeit, ende letzten jahres, in einem anderen projekt, in einem anderen viertel von buenos aires, mit kindern jongglierte, entstand die idee, dass katharina doch eine art sommerprojekt in la mascota machen koennte. Katharina fragte mich, ob ich mir nicht vorstellen koennte mit ihr zusammen ein solches projekt zu machen und ich sagte zu!
Ja das war ende letzten jahres, im november ungefaehr. Wir wollten mit dem projekt so im januar anfangen, hatten aber noch nicht wirklich konkrete vorstellungen. Ausserdem waren wir beide noch in andere projekte eingebunden und dann waren wir auch beide erst einmal auf reisen. Die ersten zweifel kamen auf, fragen, macht es ueberhaupt sinn, wenn zwei maedchen aus deutschland ein projekt anfangen, wo es doch schon so viele projekt gibt, die zum einen alle hilfe brauchen, zum anderen leute haben, die schon auf einige jahre erfahrung zurueck greifen koennen, menschen von hier, die sowohl die mentalitaet und kultur kennen und zum anderen die sprache beherrschen.
Beide kamen wir an den punkt, wo wir gesagt haben, nein es hat keinen sinn, es ist zu unvorbereitet, zu naiv! Gluecklicher weise hatten wir diesen tiefpunkt zu verschiedenen zeitpunkten, so dass wir uns dann gegenseitig wieder motivieren konnten.
Ja schliesslich wurde es immer konkreter. Immer wieder hatten wir ideen, haben getraeumt, ueberlegt, dann verging wieder zeit in der wir diese gedanken ruhen gelassen haben. Dann gab es ein datum, am 9. februar solltes es losgehen!
Eine idee, die aber noch eher wie ein traum war, in weiter ferne. Aber am sonntag, den 8. februar wurde uns ploetzlich klar was wir uns da eigentlich vorgenommen hatten. Und einen ganzen tag rauchten unsere koepfe, erfahrungen wurden ausgetauscht, plaene, strukturen wurden ueberlegt und aufgeschrieben, sprueche geschrieben, materialen vorbereitet.
1. woche
Am montag ging es dann, zusammen mit gudrun, in das projekt, fuer mich war es der erste besuch in dem projekt, katharina war zuvor schon einige male dort gewesen.
Auch wenn ich schon in solchen vierteln gewesen bin und die situation durchaus nicht neu fuer mich war, traf mich die realitaet aufs neue.
Zuerst geht es ca. einen kilometer auf der staubstrasse entlang, die zwischen eisenbahnschienen und einer mauer eines countries (abgeschlossene viertel der oberschicht) liegt, dann biegt man, immer noch der mauer folgend, in die strasse, wo carmen wohnt ein und schliesslich muss man noch ein paar schritte zu fuss gehen, da die strasse unbefahrbar ist seit dem letzten regenguss, und dann steht man vor dem grundstueck. Das haus von carmen, davor ein kleiner erdiger platz auf dem schon das geruest fuer ein zweite haus steht und wo sich die baumaterialien stapeln.
Vor dem haus sitzt die familie und trink mate (ein fuer argentinien typisches, tee aehnliches getraenk), die kinder spielen zur lauten musik, sogenannte popp musik, cumbia und reageton, die man hier in argentinien die ganze zeit und ueberall hoert, speziell in diesen vierteln.
Wir setzten uns also zusammen mit carmen an den tisch, um unsere ideen zu besprechen:
Der plan war, an vier tagen der woche, vier verschiedene gruppen zu haben, mit je acht kindern, ueber einen zeitraum von drei wochen, da dann die schule wieder beginnt und man sehen muss, wie das projekt weiter geht.
Carmen sagte nochmal, dass ja in dem viertel mehr als 200 kinder leben wuerden, worauf wir nur noch einmal betonten, dass es ja alles nur ein anfang ist und wir einfach langsam und unseren kapazitaeten entsprechend beginnen wollen. So wird vereinbart, dass carmen bis zum nachmittag die kinder zusammen rufen laesst und wir mit hilfe eines losverfahrens die kinder auswaehlen, mit denen wir in den ersten drei wochen beginnen. Wir hatten auch an eine alters begrenzung zwischen 7 und 12 jahren gedacht. Als wir nun am nachmittag wieder kamen, sassen da auf den baenken 51 kinder zwischen 1 und 14 jahren, wartend und still. Das war durchaus ueberraschend fuer uns, da wir uns das ganze viel chaotischer ausgemalt hatten. Als wir feststellten, dass wir 19 kinder ausschliessen muessten, wegen unserer plaene, wurde uns klar, dass wir das nicht machen koennen und wir lieber die gruppen doch ein wenig vergroessern. Also fingen wir an die kinder, mit namen und alter aufzuschreiben und auf die vier tage zu verteilen. Der schock kam am abend, als wir feststellten, dass wir ca. 80 kinder hatten, also ca. 20 kinder pro tag! Waehrend wir die kinder aufgeschrieben haben kamen, ohne das wir es wirklich bewusst wahrgenommen haben, immer mehr kinder hinzu!
Uns wurde klar, dass es nun einmal so war und das wir das richtige getan hatten, da wir kein kind haetten ausschliessen koennen.
Die gruppen sind auf montag nachmittag, dienstag vormittag, donnerstag nachmittag und freitag vormittag aufgeteilt. So ging es direkt am dienstag mit der ersten gruppe los:
Um 09 uhr trafen katharina und ich im projekt ein und bereiteten zusammen mit der familie das fruehstueck fuer die kinder vor: weissbrot mit marmelade, bzw. dulce de leche und milch mit kakao, das heisst milchpulver, mit kakao und zucker und wasser! In zukunft denken wir an ein gesuenderes essen. Aber wir muessen auch bedenken, was die kinder gewohnt sind zu essen bzw trinken. Zum anderen traegt sich unser projekt im moment ausschliesslich aus spenden, die natuerlich begrenzt sind.
Um 10 uhr sollten die kinder kommen, bis schliesslich alle da waren, war es ca. 10:30 uhr. Wir haben uns aber alle zeit genommen und die kinder die schon frueh kamen haben auch ruhig am tisch gewartet. Jedes kind wurde von uns einzeln am tor zum grundstueck begruesst und bekam eine pappblume mit namen angesteckt. Als schliesslich noch die letzten kinder von einem der soehne von carmen, mario, geholt wurden, schlossen wir das tor und begannen mit einer anfangsrunde, in der wir die kinder noch einmal begruessten und ein wenig erzaehlten, was wir in den drei stunden, also bis um 13.00 uhr, zusammen machen wuerden. Auch wurden natuerlich die regeln die waehrend dieser zeit gelten dargestellt: es gibt fuer uns ueberhaupt nur eine regeln, die da heisst: dass wenn ein kind etwas machen moechten, was nicht der gemeinsamen aktivitaet entspricht, z.b. das grundstueck verlassen will, es immer einen von uns fragen muss, allgemein gilt, wer kommt, bleibt bis zum schluss und nimmt an allem teil.
Dann gab es erstmal allgemeines haendewaschen, die schuessel mit wasser, seife und handtuch waren schon gerichtet (es gibt kein fliessend wasser). Als dann alle kinder am tisch sassen, haben wir ihnen erklaert, dass wir immer einen spruch zum anfang sagen, den einer von uns vorspricht und den wir alle zusammen wiederholen. Den spruch haben katharina und ich uns zuvor ueberlegt, er sollte kurz und einfach sein, es geht nur um die gestig, ein kurzes inne halten. Auf deutsch lautet der spruch in etwa so: „danke fuer speiss und trank und ich wuensche allen meinen freunden einen sehr guten tag“, auf spanisch klingt das natuerlich wesentlich schoener!
Dann gab es freuhstueck! Da wurde gequatscht und gelacht und vorallem gegessen!
Als dan alle kinder mehr oder weniger satt waren, gab es nocheinmal eine haendewaschaktion und anschliessend wieder eine runde. In dieser runde haben wir mit den kindern einige rhytmusuebungen und spielchen gemacht.
Dann kam die sogenannte arbeitszeit und schon ganz gespannt und lernhungrig rannten alle kinder zum tisch.
Fuer die erste woche hatten wir uns ueberlegt, mit den kindern finger zu haeckeln, da es zum einen einfach ist, aber gut fuer die feinmotorik, zum anderen erzielen die kinder gleich ein resultat, das sie sehen koennen und auch mitnehmen koennen. So waren wir schliesslcih alle mit armbaendern, ketten, ringen, fussketten und haarbaendern beschmueckt, alles aus baumwollfaeden.
Katharina erklaerte zuerst einmal fuer alle, dann mussten wir natuerlich rumgehen und vielen kindern einzeln noch einmal erklaeren und mit viel geduld helfen und zusammen ueben. Es war fuer uns erstaunlich wie still und konzentriert die kinder zuhoeren. Auch war es schoen zu sehen, wie sich die kinder gegenseitig helfen und sich die groesseren um die kleineren kuemmern.
Eine erste schwierigkeit war, dass wir einfach nicht allen kindern gerecht werden konnten so immer einige untaetig waren und nicht wirklich wussten wohin mit ihrer energie. Auch hatten wir nicht wirklich bedacht, dass fuer die kleinen kinder das finger haeckeln noch viel zu schwer ist. Schliesslich kam uns carmen zu hilfe und brachte papier und stifte fuer die kleinen.
Die kinder haben einen wirklich grossen lernhunger und lernen wahnsinnig schnell. Es ist einfach schoen, das leuchten in den augen zu sehen, wenn sie dir stolz den ersten erfolg demonstrieren und viele auch offenen herzens ihre ersten baendchen verschenken.
Fuer die kinder ist das nicht normal papier und stifte zu haben, oder faden zum haeckelnzu haben, zumindest einige von ihnen nicht. So war ich sehr ueberrascht, als mich einige kinder fragten, wie man denn malt! Fuer uns ist das so selbstverstaendlich, dass kinder malen.
Nach ca. 1 ½ stunden haben wir aufgeraeumt und uns fuer ein abschlussspiel zusammen gefunden. Das spiel ist so aehnlich wie „der fuchs geht um“, alle sitzen im kreis auf dem boden und ein kind geht herrum, stupst auf jeden kopf und sagt pato (ente), bis es zu einem kind ñato( ) sagt, dieses kind muss aufstehen und das andere kind fangen, bevor es einmal im kreis gerannt ist und den platz des jagenden kindes eingenommen hat. Dieses spiel haben die kinder uns vorgeschlagen und wir hatten sehr viel spass. Auch hier war wieder eine grosse ruecksicht der grossen kinder gegenueber den kleinen kindern zu sehen und das ohne ein wort von uns, das hat mich sehr gefreut! Als schliesslich alle kinder dran gekommen waren, haben wir noch eine abschlussrunde gemacht und anschliessend wurde jedes kind am tor verabschiedet und die blumen wieder eingesammelt.
Ja, der erste tag war geschafft!
Rueckblickend war es fuer uns sehr erstaunlich, wie gut alles funktionierte, wie gut die kinder mitgemacht haben, wie nie unsere autoritaet in frage gestellt wurde und wie gluecklich die kinder schliesslich heim gegangen sind.
Ja uns ist eigentlich erst im nachhinein klar geworden, dass die kinder sonst nichts haben, einfach nichts zu tun haben. Ausserdem auch oft nichts zu essen haben und aus furchtbaren verhaeltnissen kommen. Wir koenen uns glaube ich gar nicht wirklich vorstellen was manche von den kindern schon durchgemacht haben und durchmachen. Aber man sieht es ihnen an, kleine maedchen, die mit 11 jahren wie muetter sind, die ganze zeit ein kleines geschwister kind auf dem arm, drumm herrum die anderen geschwister die etwas wollen, so dass die eigenen bedurfnisse total zurueck gestellt werden muessen! Oder ein kleiner jungen mit einem gesichtsausdruck eines alten mannes, der ein langes schweres leben hinter sich hat, augen voller trauer und leid!
Schon nach dem ersten tag war uns beiden klar, das es richtig ist was wir machen! Aber wir wissen auch, dass noch viel arbeit und einsatz auf uns zukommt, es gibt viel zu lernen fuer uns und zu verbessern.
Z.b. muessen wir sehen wie wir es eines tages schaffen koennen, keine kinder mehr ausschliessen zu muessen, denn am donnerstag z.b. waren es ploetzlich 36 kinder und das ist natuerlich zu viel fuer uns zwei!
Auch muessen wir sehen, wie wir es besser schaffen, bei einer so grossen altersspanne von einem 1 bis 14 jahren, wirklich allen kindern gerecht werden zu koennen.
Eine grosse hilfe ist auf jeden fall, dass die kleinen immer mit ihren aelteren geschwistern kommen und diese uns viel arbeit abnehmen, aber auch hier ist natuerlich das problem, dass die aelteren dann oft zurueck stehen.
Wir werden hilfe brauchen und haben auch schon einige anfragen von anderen jugendlichen, hier von argentinien, die mit einsteigen moechten.
Schritt fuer schritt geht es weiter!
Ja das war die erste woche, drei gruppen kennen wir jetzt schon!
2. woche
in der zweiten woche haben wir deutlich gemerkt, dass wir nicht in deutschland sind!
Zunaechst haben wir uns am morgen bei uns zu hause mit tobias und felipe getroffen um den tag vorzubereiten. Tobias ist schueler der 12. klassen an der waldorfschule hier in buenos aires, wo ich im kindergarten arbeite, und macht gerade eine projektarbeit ueber „das leiden des kindes“. Er hat schon in anderen projekten hier in buenos aires gearbeitet und wollte nun mal sehen, ob er bei uns miteinsteigen will. Felipe ist ein freund aus meiner alten austauschklasse. Er will dieses jahr mit dem lehrerstudium beginnen und war ebenfalls auf der suche nach einem sozialen projekt.
Katharina und mir ist es wichtig, dass die leute, die nun mit einsteigen moechten und die wir ja auch brauchen, wirklich vollen einsatz bringen wollen und das wir als ein team arbeiten, wir sehen uns nicht als chefs oder leiter des projektes und sind ja auch auf der suche nach neuen ideen und verbesserungen. Aber das wichtigste fuer uns, ist, dass wir wirklich an einem strang ziehen und eine gleiche idee verfolgen, wie wir mit den kindern arbeiten moechten. Die kinder sollen eine einheitliche idee vermittelt bekommen und wenige regeln, aber die sollen von allen gleich verfolgt und durchgefuehrt werden. Vorallem aber, versuchen wir die typischen situationen zu vermeiden, wo der eine ja zum kind und der andere nein zum kind sagt. Die idee ist, dass sobald eine unklare situation entsteht, wir nicht einfach entscheiden, sondern dem kind klar machen, dass wir das erst mit den anderen besprechen muessen und dann vor den kindern kurz besprechen, was dagegen und dafuer spricht um dann zu einer gemeinsamen entscheidung zu kommen. So sehen und lernen die kinder auch, dass wir nicht alles schon klar haben, aber das wir zusammen arbeiten und uns absprechen.
Das mit der absprache ist natuerlich zu zweit durchaus moeglich, aber zu mehreren wird das schwieriger und es ist auch die frage, ob es sinn macht, bei jeder frage alle zusammen zu rufen. So haben wir ueberlegt, dass die anderen, die kinder bei unklaren fragen und wuenschen einfach zu einem von uns beiden schicken, was natuerlich dann wieder eine gewissen ungleichheit in der gruppe schafft...ja das sind fragen an denen wir arbeiten.
Ach ja, vielleicht kommt jetzt die frage nach der sprache auf?! Katherina und ich sprechen in dem projekt ausschliesslich spanisch, auch untereinander und die anderen sowieso, da sie argentinier sind.
Ein weiterer punkt ist noch, dass wir langsam neue leute mit in das projekt einfuehren moechten, wegen der frage des vertrauens fuer die kinder, nicht zu viele neue gesichter auf einmal, wir sind ja selbst noch ganz neu da! So sollte zunaechst einmal nur todias mitkommen und felipe erst ab der dritten woche.
Nun haben wir uns also zum vorbereiten getroffen, da es uns auch wichtig ist, dass daran alle teilnehmen. Vorbereiten heisst: faeden zuschneiden und pappblumen ausschneiden und beschriftet. Ausserdem haben wir natuerlich ersteinmal den tagesablauf besprochen und was uns wichtig dabei ist. Und wir haben zusammen bilder der kinder angeschaut, die diese in der ersten wochen gemalt haben, um uns so ein wenig auf sie vorzubereiten.
Als dann schliessich alles soweit vorbereitet war ging es los. Doch schon auf der haelfte des weges wurde deutlich, dass das wetter an diesem tag nicht auf unserer seite war. Eine schwarze wand kam auf uns zu, direkt von benavidez und dann ging es los, regen in buenos aires, nach wenigen secunden war alles klitsch nass und nach einigen minutan alles ueberschwemmt, aber wirklich! So mussten wir nach einigen telefonaten mit carmen umkehren, denn in „la mascota“ war das grundstueck nach kurzer zeit in ein schlammloch verwandelt, ganz zu schweigen von dem weg dort hin, der an solchen tagen unbefahrbar ist. Es fiel uns ehrlich nicht ganz leicht, einfach wieder nach hause zu gehen, ich mein klar, ich hab mich auf eine warme dusche und trockene sachen gefreut und hatte wenig lust noch laenger in diesem wetter aushalten zu muessen, aber da waren auf der anderen seite noch die kinder, die auf uns warteten und die zwei kilo brot in unserer hand. Aber schliesslich mussten wir einsehen, dass uns das schlechte gewissen auch nichts bringt, das es einfach keinen sinn macht, da wir in la mascota ja auch kein dach haben, sondern noch unter freiem himmel arbeiten. (hoffentlich nicht mehr lange!)
So ging es zurueck nach hause, das war durchaus lustig, da wir einfach teilweise im knie hohen wasser die strasse ueberqueren mussten und alle leute klitsch nass sind und das so ohne weiteres hinnehmen...ja das ist argentinien!
Das unwetter war so stark, dass wir am naechsten tag, am dienstag auch noch nicht nach „la mascota“ gehen konnten.
Am donnerstag bekamen wir dann das andere extrem zu spuehren: es soll anscheinend 40 grad gehabt haben, was ja noch ertraeglich gewesen waere, aber auf grund der hohen luftfeuchtigkeit gibt es hier immer noch die angabe der gefuehlten temperatur und die war anscheinend bei 62 grad! Es war auf jeden fall viel zu heiss! Aber diesmal konnte uns nichts daran hindern in das projekt zu fahren.
Es war ein sehr anstrengender tag, zum einen die hitze, zum anderen eine neue person im team und einige neuheiten, wie z.b. eine geschichte fuer die kleinen, waehrend die grossen basteln. Zudem waren es 40 kinder, da natuerlich einige von montag und dienstag noch dazu kamen. Ja das war ein tag voller improvisation!
Dieses projekt ist wirklich eine grosse herrausfoderung fuer uns beide und wir stossen natuerlich auch immer wieder an unsere grenzen und dann kommt die frage auf, ob es wirklich richtig ist was wir da machen, ob wir geeignet dafuer sind?
Aber dann machen wir uns gegenseitig wieder mut!
Ja, es stimmt, wir haben beide noch wenig erfahrung und keine ausbildung, aber wir machen ja nur einen anfang, so weit unsere kraefte und moeglichkeiten reichen. Das projekt soll weiter gehen und sich entwickeln und wachsen!
Und so aehnlich wie joseph sagte, wir koennen natuerlich nicht alles veraendern und allen gerecht werden und helfen, bei vielen kindern wissen wir noch gar nicht was sie brauchen, wie wir am besten mit ihnen umgehen sollen, aber einigen kindern koennen wir geben was sie brauchen, zumindest etwas davon, und wenn es nur ein kind ist, das wir am tag gluecklich machen koennen, dann lohnt sich das projekt schon!
Zu den spenden moechte ich noch kurz sagen, dass sie bis jetzt von zwei privat personen aus deutschland stammen, das eine ist ein 7 jaehriger junge, der 70 euro gespendet hat, die er fuer einen cityroller gespahrt hatte und als er diesen dann zu weihnachten bekam hat er sich entschlossen das geld zu spenden! 70 euro ist viel fuer uns hier, wegen dem wechselkurs und da wir nicht sehr viele ausgaben haben.
Auch haben wir schon einige materialspenden bekommen, z. b. von einem schreibwarenladen aus unserem viertel.
Also im moment sind wir sehr zuversichtlich, aber natuerlich sind wir auf der suche nach unterstuetzung!
Soweit bis jetzt, ich werde den bericht immer wieder weiter fuehren und dann koennt ihr auf www.vschu.blogspot.com weiter lesen!
Viel spass!




