Aktuelles

29.05.2009

Bericht über meine Reise nach Tansania im März 2009

Es ist immer wieder ein langer Weg nach Tansania, man muss mitten in der Nacht aufstehen, um seinen Flieger zu bekommen und dann sitzt man den ganzen Tag im Flugzeug und kommt erst am späten Abend an.

Netterweise hat mir Herr Honorarkonsul Gotthardt wieder einmal eine vereinfachte Einreise ermöglicht, sodass das Einreiseprozedere recht schnell ging und wir gegen 22.30 Uhr das CEFA (Guesthouse einer italienischen NGO) erreichten.

Ein Wort zu unserer Unterbringung und zum CEFA. Bei diesem Guesthouse handelt es sich um ein sehr einfaches, günstiges Hotel, das aber sauber ist und die Zimmer verfügen über eine Klimaanlage und Duschen mit warmen und kaltem Wasser. Leider war meine Klimaanlage defekt und konnte erst am dritten Tag repariert werden, was die ersten Nächte etwas beschwerlich machte (tagsüber Temperaturen von über 40 C und einer Luftfeuchtigkeit von ca. 80-90 %). Das Frühstück ist ebenfalls einfach aber ausreichend, es gibt Weißbrot, Marmelade, sogar Butter, Tee und etwas Obst.

Ebenfalls erwähnen möchte ich, dass das CEFA über einen Generator verfügt, der für Licht (nicht für den Betrieb der Klimaanlagen) sorgt. Dies ist so wichtig, da der Strom regelmäßig abgeschaltet wird. Dann liegt diese riesige Metropole recht schwarz da. Bei meinen diesmaligen Besuch wurde der Strom täglich von 10-14 Uhr und von 18-22 Uhr abgestellt, auch etwas was für uns Europäer inzwischen unvorstellbar ist. 

Auf dem Weg vom Flughafen zum Guesthouse wurde ich von Herrn Gotthardt gebrieft, was das Programm der kommenden Tage betraf, und da hieß es zuerst einmal schnell schlafen, da es am nächsten morgen früh los ging und dann auch noch mit einem Besuch beim Premierminister in seinen privaten Räumen.   

Am Samstag starteten wir zeitig mit einem kleinen Frühstück, um rechtzeitig beim Premierminister Herrn Peter Mizengo Pinda zu erscheinen, begleitet wurden wir von Herrn Kirchner von der Fa. Procon aus Schleswig-Holstein. Herr Kirchner baut für sein Unternehmen in Tansania Jatropha an, eine Saatpflanze, die zur Ölproduktion dient. Dieses Öl kann man als alternativen Kraftstoff benutzen.
 
Da das Projekt in der Heimatregion des Premierministers liegt, wollte er die Chance nutzen und von seinen Problemen berichten.  

Das schöne an dem Treffen, an dem ich auch teilnehmen durfte war, dass ich die Gelegenheit bekam Herrn Pinda die Arbeit von Paulchen Esperanza vorzustellen. Er war sehr interessiert und zum Abschluß ließ er sich sogar mit uns fotografieren, das gelang mir später bei der Präsidentengattin „First Lady“ nicht. 

Von hieraus ging es weiter zu einem Projekt “Uvikiuta“, das seinerzeit Mama Mkapa (ehemalige First Lady) ins Leben gerufen hatte. Hier handelt es sich um ein internationales Jugendaustauschprogramm im Agrarsektor. Wir sprachen mit einem der Leiter Herrn Joel Lushinge. Auch hier denkt man darüber nach Jatropha an zu bauen. Dort lernte ich auch Ben Mongi kennen, der auch in dem Projekt arbeitet, aber zur Zeit parallel ein Studium absolviert. Herr Mongi ist kurz vor Abschluss seines Studiums, hat aber Probleme mit der Finanzierung. Jetzt überlegen wir, ob wir ihm einen Kredit in Form eines Mikrokredites anbieten. 

Am Nachmittag fuhren wir noch schnell bei der Tinga Tinga Kooperative vorbei, um nochmals ca. 40 Bilder zu kaufen, leider waren keine Maler dort, da es ein Samstag war. Ich hätte gern noch einige Fotos mit den Malern gemacht. Die Tinga Tinga Bilder brauchten wir noch für die Ausstellung, die am 28. April in der Universitätshautklinik in Tübingen eröffnet wurde und noch bis zum Ende des Jahres andauert. Interessierte können jetzt dort diese schönen Bilder erwerben. 

Der Abend war dann auch verplant, Herr Gotthardt und ich waren beim Bürgermeister von Dar es Salaam (immerhin eine Stadt von 4,5 Mio. Einwohnern) zum Abendessen eingeladen. 

Auf den Weg dahin haben wir einen Umweg gemacht, um unser Mikrokreditprojekt zu besuchen. Seit nunmehr einem Jahr unterstützen wir einen jungen Mann, damit er sich eine Existenz aufbauen kann. Dieser Mann ist ganztags als Fahrer bei der Stadtverwaltung Dar es Salaam beschäftigt, kann sich aber von dem Gehalt keine Familie erlauben. 

Jetzt hat er mit unserer Hilfe eine Hühneraufzucht gestartet und zahlt fleißig zurück, wenn alles gut geht kann er im September heiraten. 

Als Abschluss des Tages genossen wir zu viert mit Herrn und Frau Kimbiza ein wunderbares Abendessen. Ich hoffe, dass ich Frau Kimbiza etwas für Paulchen und die sozialen Belange der Stiftung begeistern konnte. Ihren Mann interessieren mehr solche Themen wie Mikrofinanzen. 

Am Sonntag ließen wir es etwas langsamer angehen, es war ein Besuch in Bagamoyo geplant. Wir fuhren mit den Leuten vom Ministerium, das für die Kolonialbauten zuständig ist, nach Bagamoyo. Mit von der Partie waren Herr Kirchner, Procon und Herr Dr. Lübben, Stadtreinigung Hamburg. 

In Bagamoyo nutzten wir die Chance uns das Museum anzusehen und einige Unterkünfte für die jungen Handwerder aus Hamburg, die demnächst das Boma (ehemaliges deutsches Rathaus) restaurieren sollen. Auch das alte Boma schauten wir uns an, besser gesagt, was noch davon übrig ist. 

Da auch die beiden Architekten vom SES irgendwo unterkommen müssen, versuchten wir noch ein nicht zu teures Hotel zu finden und verhandelten dafür mit den Hotelmanager, leider brannten beide Hotels die wir uns ansahen noch am gleichen Tag ab. Manche Dinge glaubt einfach nicht. 

Abends trafen Herr Gotthardt und ich uns mit seinen Freunden Herrn Dr. Edward Ngwalle und seiner Frau Imma zum Essen, ein entspanntes Essen mit sehr sympathischen Menschen. 

Der Montag fing wieder früh an, da wir zum Frühstück bei Mama Mkapa erwartet wurden. Ziel war ein Gespräch über das weitere Vorgehen im Kinderwaisenhaus Kibaha zu führen. Bis heute sind noch keine Kinder untergebracht und wir wollten konkret wissen wie es weiter gehen soll. 

Nach Aussage von Mama Mkapa fehlen jetzt noch ca. 10-15 Mio. Tansanische Shilling (knapp 10.000€) um alles fertig zu stellen. Wichtig sei ein Zaun, um die Kinder zu schützen. Ich versuchte Mama Mkapa klar zu machen, dass es sehr schwierig sei Spendern in Deutschland zu erklären, dass ihr Geld in den Bau eines Zaunes gegangen sei. Ich sagte ihr zu, dass wir gerne wieder mit Geldmitteln zur Verfügung ständen, sobald die Kinder im Heim wohnen. 

Herr Gotthardt und ich kamen überein, dass wir versuchen wollen die Kinderhilfsorganisation PLAN Tansania für das Waisenhaus zu interessieren, damit eine professionelle Führung gewährleistet ist. Inzwischen haben wir erste Kontakte zu PLAN Deutschland aufgenommen und müssen nun abwarten. 

Im Verlauf des Frühstücks kam auch ihr Ehemann und früherer Präsident des Landes Benjamin Mkapa dazu und es war ein sehr interessantes Gespräch, da Herr Mkapa einer der großen Friedenspolitiker in Afrika ist. Er musste sich dann auch eher verabschieden, da er zu Friedensgesprächen in den Kongo flog. Wir stellten aber noch fest, dass wir am Freitag gemeinsam nach Zürich flogen, wir nach hause, er zu einem Treffen mit Kofi Annan wegen der Befriedung Kenias. 

Am Nachmittag erwartete uns der deutsche Botschafter zu einem Gespräch, an dem auch die Reisenden der St. Petri Gemeinde aus Hamburg teilnahmen. Herr Dr. Herz ist erst seit September in Tansania, ebenso sein Mitarbeiter und Vertreter Herr Hach. Ich nutzte wieder die Chance die Arbeit von Paulchen vorzustellen.  

Danach fand noch ein offizieller Empfang beim Bürgermeister Herrn Kimbiza statt. 

Der Dienstag war durch verschiedene Termine gekennzeichnet, die aber nur bedingt für unsere Arbeit von Bedeutung waren, deshalb aber nicht weniger interessant. 

Am Abend waren wir dann bei der Familie Moshi eingeladen. Herr Moshi ist für das Ausbildungswesen in Tansania zuständig. 

Auch Herr Pastor Störmer und seine Frau aus Hamburg waren dort, sie lebten bei den Moshis im Rahmen des Besuchs der Petrigemeinde in Dar es Salaam. Im Rahmen der Städtepartnerschaft Hamburg Dar es Salaam sollen auch die St. Petri Gemeinde und die Asania Front Church Partnergemeinden werden. Aus diesem Grund waren einige Mitglieder der Petrigemeinde für 14 Tage in Tansania und in privaten Haushalten untergebracht. Wir verbrachten einen entspannten Abend mit anregenden Gesprächen.

Der Mittwoch führte uns nochmals (wie beim Besuch 2007) zum CCBRT. Dies ist ein Krankenhaus, das auf die Behandlung von Augenerkrankungen und orthopädische Erkrankungen spezialisiert ist. Es ist ein Vorzeigeprojekt in Tansania und trotzdem meinen wir alles sei antiquiert. Dann besuchten wir noch ein staatliches allgemeines Krankenhaus. Dort wollten wir sehen, ob die Hilfslieferung aus Hamburg angekommen ist. Dies war der Fall, aber wir nutzten die Chance, um uns das Krankenhaus anzusehen.  
 
Der Patient der schon fertig vorm OP lag wurde kurzerhand an die Seite geschoben, damit wir uns den OP anschauen konnten. Es war auch nicht viel mehr zu tun als die Schuhe auszuziehen, dann ging es bar fuß weiter, mehr an Sterilität war nicht nötig.
 
Später ging es an Särgen vorbei zur neuen Entbindungsstation. Die Särge standen draußen und Angehörige waren da, um die Verstorbenen ab zu holen und zum Friedhof zu fahren. Für uns war dies mehr als befremdlich, aber hier ist alles anders und man muss sich vorstellen, dass es nur in Krankenhäusern Kühlanlagen gibt, wo Verstorbene länger verbleiben können. Außerdem ist der Tod gesellschaftlich nicht so weit weg organisiert wie bei uns in Europa.

Das Gebäude der Wöchnerinnen ist neu, darüber ist man sehr froh, da bis vor kurzem die Schwangeren bis kurz vor der Entbindung noch draußen im Park liegen mußten, weil kein Platz war. Jetzt meint man einen luxuriösen Zustand erreicht zu haben, zur Zeit teilen sich 2-4 Wöchnerinnen mit Kind ein Bett. In der Klinik werden ca. 2000 Schwangere pro Monat entbunden. 

Am Abend nahmen wir dann noch an einem Treffen und Austausch der St. Petri Leute mit den Kirchenältesten der Arsania Front Church teil.  

Den Donnerstagmorgen nutzte ich um nochmals bei der Mtonischule vorbei zu schauen. Diese Schule hatte ich ja schon auf der letzten Reise besucht und sie hatte einen guten Eindruck auf mich gemacht. Die Schule ist eine Einrichtung für Behinderte, wovon es nur 3 in Tansania gibt.

Ich hatte einen halben Tag Zeit mir ein Bild zu machen und man beantwortete alle meine Fragen geduldig und zeigte mir alles. Zunächst sprach ich mit Felix Mhangala, dem Koordinator der Schule, der auch einiges zu den wirtschaftlichen Verhältnissen sagen konnte. Es gibt insgesamt 76 Schüer, wovon 64 im Internat untergebracht sind. 14 Schüler sind Waisenkinder. Die Schule hat 8 Lehrer und 1 Mediziner. 

Die Aufgaben der Institution beinhaltet zum einen die Schule, dann eine Krankenbetreuung für behinderte Kinder und ein sogenanntes Home Visiting Program, das es seit 2007 gibt und wo mit 6 Betreuern 250 Kinder zuhause betreut werden (1 Besuch pro Woche). 

Auch der Headteacher Mr. Mtomba nahm sich Zeit meine Fragen zu beantworten. Die Kinder durchlaufen verschiedene Stufen in der Schule und bei einigen wird versucht sie in die normale Primary School zu integrieren, gelingt das nicht geht es in den Workshop, wo versucht wird praktische Fähigkeiten zu vermitteln. Nach 9 Jahren endet das Programm und die Kinder gehen zurück in ihre Familien. Leider geht es dann häufig bergab, da dort kaum eine weitere Betreuung erfolgt. 

Während meines Besuchs hatte ich auch Gelegenheit mit den Praktikanten zu sprechen, es war eine Weltwärts Praktikantin(Programm des BMZ, Deutschland) aus Berlin dort, 2 Norwegerinnen im Rahmen ihres Studiums und eine Dänin, deren Mann derzeit beruflich in Tansania eingesetzt ist. Auf die Frage an die Praktikantinnen was den Kindern am meisten fehlt kam die ernüchterne Antwort, die haben eigentlich alles, aber etwas mehr Engagement der Lehrer könnte nicht schaden.  

Zur Zeit werden ein Großteil der Kosten für die Schule sowohl von der Kirche als auch vom Staat getragen, außerdem kommen Spendenmittel herein. 

Zukünftig ist eine Erweiterung der Schule um einen Anbau für sogenannte Workshops geplant, dies soll aus Spendengeldern der Stiftung Alsterdorf erfolgen. 

Die Idee, die hinter diesem Anbau steht ist, den Kindern noch stärker die Möglichkeit zum Erlernen von praktischen Fähigkeiten, zu geben. In diesem Zusammenhang überlegen auch wir uns an diesem Projekt zu beteiligen, müssen aber noch mit den Alsterdorfern klären was sinnvoll ist. Noch während der Reise konnten wir durch Herrn Dr. Lübben (Hamburg Stadtreinigung) Kontakt zu einer Sonderpädagogin aus Tübingen aufnehmen, die 2010 ein Sabattjahr machen möchte und gern in Afrika ehrenamtlich arbeiten möchte. Vielleicht kann ja hier eine fruchtbare Zusammenarbeit erfolgen. 

Die beiden folgenden Tage war ich mehr oder weniger im Schlepptau von Herrn Gotthardt und wir besuchten verschiedene Ministerien, wie Hafen, Wasser, Abfall, Tourismus, etc. Diese Gespräche galten zur Vorbereitung der bevorstehenden Reise der zweiten Bürgermeisterin von Hamburg nach Dar es Salaam und der Unterzeichnung des Memorandums zur geplanten Städtepartnerschaft im Juni diesen Jahres. 

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes hatten wir dann doch noch Glück und die First Lady Mama Salma wollte uns empfangen. Mama Salma ist die Frau des derzeitigen Präsidenten Kikwete und sie ist mit ihrer Stiftung „WAMA“ sozial sehr engagiert. WAMA hat vier Bereiche, Gesundheit, Ausbildung, Waisen und Women Enpowerment. 

Ich durfte Mama Salma Paulchen vorstellen und wir überlegten in welchem Bereich
wir zusammen arbeiten könnten. Da ich ja inzwischen etwas zurückhaltend geworden bin, schlug ich vor, zunächst mit einem kleinen Projekt zu beginnen, um fest zu stellen, ob wir gegenseitig die Erwartungen erfüllen können. Für uns heißt das natürlich den deutschen Richtlinien des Stiftungswesen zu entsprechen, also konkret Verwendungsnachweise beibringen, etc. Da das oft nicht so einfach ist, habe ich sofort unsere Anforderungen klar vorgetragen. Wir einigten uns darauf zunächst für 5 Studentinnen Stipendien für ein Jahr zu übernehmen, sollte dann alles zu unserer Zufriedenheit laufen, können wir gern zukünftig mehr machen. Jetzt warte ich auf die Lebensläufe und Bilder der jungen Frauen und dann sollte es eigentlich im Juli los gehen. 

Alles in allem kann ich sagen, es war einmal mehr eine super spannende abwechslungsreiche Reise, dank Herrn Gotthardt, der mich unermütlich überall mit hingenommen hat und mir so Gelegenheit gab, Paulchen an höchsten Stellen zu präsentieren. Außerdem verdanke ich ihm viele nette neue Kontakte und der Afrikavirus wird immer stärker. Ich glaube, jeder der einmal diesen wunderbaren Kontinent bereisen durfte, kann dieses Gefühl nachvollziehen. 

Ich freue mich schon heute auf unsere Reise im Juni nach Tansania und ganz besonders, weil diesmal, erstmals mein Mann mit mir reist!!! 

 

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