Aktuelles
Bericht über unsere Reise vom 06.-14.03.2010 nach Sri Lanka
Am Samstag, den 06.03.2010 ging es für den Vorstand von Paulchen-Esperanza auf nach Colombo, Sri Lanka. Diesmal flogen mein Mann, Stephan Lohmann und ich mit Emirates über Dubai nach Colombo und wir hatten auch Glück, alle Flüge waren
pünktlich und so konnte uns unser Freund Ananda Rupasinghe am Sonntag um
14.00 Uhr am Flughafen in Empfang nehmen.
Das war auch gut so, denn wir mussten zunächst einmal bei Ananda zuhause unser Gepäck umladen, da wir noch so viele Geschenke und Brillen dabei hatten, die nicht alle ins Auto passten und wir ja zunächst geplant hatten nach Galle zu fahren. Der Großteil der Geschenke war allerdings für den zweiten Teil der Reise, also für die Kandyregion gedacht. Nachdem wir das erledigt und einen Tee getrunken hatten ging es weiter nach Galle, wo wir im Dunkeln ankamen, also leider den schönen Blick aufs Meer nur erahnen konnten. Der musste bis zum nächsten Morgen warten.
Am Abend hatten wir aber auch gleich das erste Gespräch mit den Leuten von IPARD, unseren Partnern in Galle. Wir hatten von zuhause aus verabredet, dass wir zusammen zu Abend essen wollten, um schon einmal den Ablauf des nächsten Tages zu besprechen. Somit wurde es ein freudiges Wiedersehen, aber uns dreien steckte noch die Reise in den Knochen, dazu kam die Zeitdifferenz.
Der kommende Montag war von unseren IPARD Partnern gut verplant. Der Tag begann mit einem Termin bei dem ranghöchsten Verwaltungsbeamten der Region Galle, so etwas wie ein Landrat, der sich sehr für unsere Arbeit interessierte und uns auch darauf aufmerksam machte, dass wir uns als Stiftung und NGO in Sri Lanka registrieren lassen sollten. Das hätte überwiegende Vorteile, z.B. beim Beantragen einer Aufenthaltsgenehmigung, aber auch um Hilfsgüter ins Land zu bekommen, dann hätten wir die Brillen nicht schmuggeln müssen, aber dazu später mehr.
Wir haben das Thema sehr positiv aufgenommen und uns gleich mit den entsprechende Anträgen versorgt, die nun hier in Deutschland ausgefüllt werden. Gleichzeitig haben wir uns der Unterstützung von IPARD versichert, die dann diesen Antrag in Sri Lanka weiter vorantreiben werden.
Nach der Visite in der Stadtverwaltung besuchten wir diverse Projekte. Zunächst einmal besuchten wir verschiedene Umsiedlungen, in denen Menschen leben, die beim Tsunamie alles verloren haben, jetzt zwar ein Dach über dem Kopf haben, aber dafür andere Sorgen. So sind z. B. Fischerfamilien recht weit von der Küste angesiedelt worden, etc. Ein anderes Problem besteht in einem von uns besuchten „Dorf“ darin, dass die nach dem Tsunamie schnell errichteten Häuser inzwischen zusammen fallen, weil einfach „geschlammt“ wurde oder Korruption im Spiel war.
Damit die Familien sich ihr Einkommen aufbessern können hat IPARD begonnen so genannte Dorfbanken zu installieren, wo Mikrokredite an Frauen vergeben werden. Einige mit diesen Mitteln, ins Leben gerufener Projekte, konnten wir besichtigen. So hatte z.B. eine der Frauen den Mikrokredit genutzt, um sich mit Patchworkarbeiten selbständig zu machen, eine andere produziert Trockenfisch, wieder eine andere produziert kunstvolle Bilder. Das Prinzip der „Dorfbank“ funktioniert genau so wie wir es schon in Tanzania kennen gelernt haben. Es wird dem Grund nach mit sehr hohem Gruppendruck gearbeitet und die Kreditnehmer werden so zu sagen an der kurzen Leine geführt. Der durchschnittliche Kredit betrug 5000 Rupien, das entspricht ca. €30,--.
Das Projekt, was man uns dann zeigte, war für uns alle sicherlich das emotional am Eindruckvollste. Es handelt sich hier um eine Krankenpraxis, dort auch Klinik genannt, für die Ärmsten der Armen. Auf engstem Raum versuchen dort Ärzte, die überwiegend ehrenamtlich arbeiten, den Ärmsten zu helfen. Die Mittel, die ihnen dafür zur Verfügung stehen, sind mehr als armselig. Nicht einmal einen Tropfständer gibt es und so hängt die Flasche einfach an einem Nagel in der Decke, das EKG ist kaum mehr als solches zu erkennen und über die Räumlichkeiten brauchen wir erst gar nicht berichten. Der leitende Arzt lebt von dem wenigen, was der eine oder andere erübrigen kann und das reicht Wirklich kaum zum Leben. Nach dem Tsunamie sollte auch hier investiert werden, aber nach dem Bau von wenigen Fundamenten war das Geld versiegt und heute sucht man händeringend nach jemandem der helfen kann. Wir waren sofort der Meinung, dass wir hier gern helfen möchten, aber leider haben wir in der Stiftung für dieses Projekt keine Mittel mehr, sodass wir nun versuchen Sponsoren für das Projekt zu gewinnen. Es werden alles in allem €15.000,-- bis 20.000,-- benötigt.
Nach diesem sehr frustrierenden Besuch gab es einen sehr schönen Abschluss des Tages, im E-Center in Immaduwa. Dort wurden durch Paulchen Computer angeschafft und 6-monatige Computerkurse angeboten. An diesem Tag aber gab es Zeugnisse und die jeweils 3 Besten eines Kurses bekamen von uns einen USB Stick geschenkt. Da war die Freude riesig. Dieses Center unterstützen wir nun seit einiger Zeit und wir wollen es auch weiterhin unterstützen. Neben PC Kursen wird zusätzlich Englisch, Singhalesisch und Tamilisch gelehrt.
Als wir am Abend wieder im Hotel waren, freuten sich alle auf ein kaltes Bier!!
Am Dienstag besuchten wir den Kindergarten in Galle, den unser Freund Ananda nach dem Tsunamie mit Spendenmitteln aus Norderstedt bauen ließ. Hier ist ein sehr schöner Kindergarten entstanden, wo man sofort merkt, dass sich alle Kinder rund herum wohl fühlen. Das liegt sicherlich auch an der sehr herzlichen und gut ausgebildeten Erzieherin. Stephan sagte spontan, dass er seinen jetzt fast zweijährigen Sohn sofort hier unterbringen würde.
Aus reiner Neugier besuchten wir dann noch die Entbindungsklinik in Galle, wo uns Anoma eine der früheren Stipendiaten von Ananda, die heute als Anästhesistin in eben dieser Klink arbeitet, herum führte. Auch hier, wie in vielen armen Ländern der Welt, hat nicht jeder Patient sein eigenes Bett, es ist durchaus üblich, dass sich zwei Wöchnerinnen ein Bett teilen und dann ein Babykorb vorn und eines hinterm Bett hängt. Für uns nicht vorstellbar.
Auf dem Weg nach Hause zu Ananda besuchten wir noch das Altenheim in Galle. Dieses hatten mein Mann und ich schon 2007 besucht und wir wollten gerne sehen, ob der Anbau von damals Fortschritte gemacht hat. Das ist der Fall und nun können 10 Personen mehr aufgenommen werden. Das Heim lebt ausschließlich von Spenden, da die alten Menschen, die dort einziehen völlig mittellos sind. Das Essen zum Beispiel wird regelmäßig von Menschen aus der Gemeinde vorbei gebracht. Auch das für uns unvorstellbar, da es nicht nach einem zuvor definieren Plan abläuft, aber trotzdem funktioniert.
Am Mittwoch statteten wir „unserem“ Kindergarten in Weregalle einen Besuch ab. Das ist der Kindergarten, den wir zuletzt in Sri Lanka gebaut und im Dezember 2008 eingeweiht haben. Auch dieser Besuch war sehr erfreulich. Inzwischen gibt es zwei Gruppen von Kindern und auch die anfänglichen Probleme mit den Erzieherinnen sind gelöst. Das Gebäude macht nach wie vor einen guten robusten und sauberen Eindruck, also es ist alles soweit OK.
Nach dem Besuch des Kindergartens hatten wir einen touristischen Nachmittag geplant, insbesondere da Herr Lohmann das erstmals in Sri Lanka war und bisher nur Projekte zu sehen bekam, nicht gerade das klassische Programm eines Touristen.
Wohl gelaunt ging es Richtung Kandy, auf dem Weg wollten wir das Elefantenwaisenhaus besuchen und noch einen Abstecher in den Botanischen Garten in Kandy machen, bevor wir unser Hotel beziehen wollten. Aber es kam anders, unserem Auto bekam die letzte Tankfüllung nicht. Kurz nach dem Tankstopp nahm das Auto kaum mehr Gas an und es wurde immer langsamer, Bergauf hatten wir das Gefühl wir müssten schieben oder wenigstens aussteigen. Nachdem wir dann versucht hatten Hilfe an Tankstellen oder vermeintlichen Autowerkstätten zu bekommen, machte sich unser „Guide Ananda“ mit einem Tuck Tuck auf den Weg Hilfe zu holen. Wir drei Weißgesichter versuchten weiter Boden gut zu machen, was heißt, dass wir mit 10-20 km/h unterwegs waren, sehr zum Vergnügen der uns überholenden Einheimischen. Irgendwann erreichten wir dann im Niemandsland eine Werkstatt, die auch den Eindruck vermittelte, wirklich helfen zu können, dort trafen wir auch unseren „Guide“ wieder. Inzwischen war es 13.30 Uhr und alle Monteure zu Tisch. Das Ende vom Lied war, das Auto konnte nicht repariert werden und um 19.00 Uhr bekamen wir einen Ersatzmietwagen, der aber aus Colombo gebracht werden musste. Wir waren dann glücklich um 21.15 Uhr im Hotel ohne Essen, richtig hungrig und verschwitzt und ohne Touristenbelustigung.
Aber nach einem guten Abendessen, einer Mütze Schlaf und einer ausgiebigen Dusche konnte es am nächsten Tag weiter gehen.
Der Donnerstag war dann dem Kindergarten Hanguranketha gewidmet. Nachdem wir uns am Morgen mit Anslem, unserem Partner aller Projekte in der Nähe von Kandy, getroffen und zunächst einmal allgemein über den Stand der Dinge und den zukünftigen Absichten von Paulchen unterhalten hatten, fuhren wir zum Kindergarten. Hier wurden wir schon erwartet und diesmal hatten die Kinder einige Tänze eingeübt und auch schöne Kostüme genäht bekommen.
Die Frauen im Dorf sind besonders Stolz auf ihren jetzt wirklich schön renovierten Kindergarten und sorgen dafür, dass alles so erhalten bleibt. Inzwischen hatten sich die Frauen auch Gedanken gemacht, wie sie zusätzlich Geld verdienen können. Deshalb wurden wir gefragt, ob wir einen Lehrgang in dem gelehrt wird Räucherstäbchen zu machen, die dann an die Tempel verkauft werden könnten, unterstützen würden. Wir denken das ist eine gute Idee und baten Anslem sich darum zu kümmern.
Unbedingt muss hier noch erwähnt werden, dass die Buchführung und Dokumentation von Anslem für alle seine Projekte einmal mehr perfekt war.
Auf dem Weg zurück zum Hotel besuchten wir dann noch einen unserer Stipendiaten.
An diesem Abend war es soweit, unser Kulturprogramm!!
Wir besuchten die Kandy Dance Show und anschließend den Zahntempel in Kandy. Um das, was uns dort geboten wurde, würden uns sicherlich fast alle Ceylonesen beneiden. Wir bekamen die Ehre bis direkt vor das Relikt (Buddhas Zahn) vorgelassen zu werden. Das ist nur sehr wenigen Menschen gestattet und dafür müssen wir uns ganz herzlich bei unserem Freund Ananda bedanken, der seine hervorragenden Beziehungen für uns hat spielen lassen.
Nach dem Besuch des Reliktes haben wir noch eine Tempelführung bekommen und auch das war sehr eindrucksvoll.
Der Freitag stand ganz im Zeichen der „Brillenverteilaktion“ in Madugalle. Zur Brillenaktion muss man sagen, das Ananda über Jahre mehr als 1000 Brillen gesammelt hat, die dann netterweise ein Optiker in Oelde ausgemessen, beschriftet und in bruchsichere Etuis verpackt hat und wovon wir 250 Stück im Gepäck eingeschmuggelt haben. Hier komme ich nun auf die Registrierung unserer Stiftung als in Sri Lanka tätige NGO. Sobald wir registriert sind, können wir solche Hilfsmittel problemlos nach Sri Lanka einführen und müssten nicht mehr bei der Einreise zittern.
Madugalle ist ein kleines Bergdorf völlig abgeschnitten von der Außenwelt, wo Paulchen einen Kindergarten gebaut hat und auch schon verschiedenen Menschen geholfen hat, sei es mit einem Rollstuhl, Arztbesuchen, Werkzeug, etc.
Das wir kommen würden und das es Brillen geben wird hatte sich herum gesprochen und als wir dann ankamen, warteten schon hunderte von Menschen auf uns.
Natürlich wurde uns auch hier eine kleine Aufführung der Kindergartenkinder geboten und verschiedene Ansprachen gehalten, außerdem war der Mönch so nett, extra für uns eine Zeremonie abzuhalten, dass ich mal wieder mein Glücksband ums Handgelenk bekommen konnte.
Derweilen verlor der Augenarzt keine Zeit und baute zunächst seine mobile Praxis unter einen Abdach auf, was allerdings zu so chaotischen Zuständen führte, da sich niemand anstellen wollte. Diesem Treiben machte der Mönch dann kurzerhand ein Ende und die mobile Praxis zog in sein Haus um. Hier setzte sich der Mönche vor die Tür und ließ immer nur ca. 10 Personen ein. Ab dann konnte der Augenarzt einigermaßen seiner Arbeit nach gehen. Die ganze Prozedur dauerte bis in den späten Nachmittag und am Ende waren alle Brillen verteilt. Einige nicht zu zuordnende Brillen wurden einfach als „Geschenk“ vergeben. Außerdem wurde festgestellt, dass einige der Kinder jetzt doch einmal nach Kandy ins Krankenhaus zur genaueren Untersuchung gebracht werden müssen. Das wird wir auf jeden Fall von Paulchen finanziert und von Anslem organisiert werden.
Nach diesem aufregenden Tag und der beschwerlichen An- und Abreise waren wir einmal mehr recht geschafft und nach einem guten Abendessen fielen wir nur noch müde ins Bett.
Am Samstag Morgen holte uns Anslem ab, da wir auf den Weg Richtung Colombo gern einige Stipendiaten besuchen wollten. Anslem war so freundlich uns zu leiten, da diese jungen Menschen sehr abgelegen wohnen und wir keine Chance gehabt hätten, sie zu finden.
Da wir uns bewusst nicht angekündigt hatten, waren nicht alle zuhause, aber wir lernten die Eltern kennen und hatten auch das eine oder andere Mal Glück. Insgesamt unterstützen wir in Sri Lanka zur Zeit 14 junge Menschen, die entweder durch uns eine Schule besuchen können, eine weiterführende Schule besuchen oder sogar studieren können. Erbringt jemand die erforderliche Leistung nicht, wird er von der weiteren Förderung ausgeschlossen. Allerdings ist das nur sehr selten der Fall, da diesen jungen Menschen schon sehr bewusst ist, was ein Stipendium bedeutet.
Für uns war es erneut erschütternd zu sehen, mit wie wenig viele Menschen auf dieser Erde auskommen müssen. Noch erstaunlicher ist es immer wieder zu sehen, wie viel Lebensfreude und Stolz diese Menschen trotz ihrer Armut ausstrahlen.
Der Samstag war für uns auch der letzte Tag, da unser Flug am Sonntag morgen recht zeitig ab Colombo ging. Wir hatten für die letzte Nacht ein Hotelzimmer in der Nähe des Flughafens gebucht, da der Sonntag ja ohnehin ein sehr langer Tag werden würde und wir so nicht ganz so früh aufstehen mussten.
Das hieß aber auch, dass wir uns nach den Besuchen der Stipendiaten sowohl von Anslem als auch von Ananda, der noch eine Woche bleiben durfte, um den 100sten Geburtstag seiner Mutter zu feiern, verabschieden mussten. Für uns ging damit eine sehr interessante, abwechslungsreiche, informative aber auch anstrengende Woche zu Ende, deren vielen Eindrücke noch zu verarbeiten sind.




